WAS SIND PROBIOTIKA UND WIE WIRKEN SIE?

Probiotika stellen Zubereitungen dar, die Mikroorganismen enthalten. Sie sind lebensfähig und schaden dem Organismus in keiner Weise. Vielmehr verrät die Übersetzung des Begriffs (pro, lateinisch: für; bios, griechisch: Leben), dass sie die Gesundheit fördern. Sie zählen zu den sogenannten funktionellen Lebensmitteln, auch Functional Food oder Nutraceutical (nutrition, englisch: Ernährung) genannt. Kennzeichnend ist der Zusatz von ausgewählten Inhaltsstoffen, die, in optimaler Menge aufgenommen, positiv auf die Gesundheit wirken und dabei über grundlegende ernährungsphysiologische Effekte hinausgehen[1].

Dieser Begriffsbestimmung folgt auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie versteht unter Probiotika „lebensfähige Mikroorganismen, die bei Verabreichung in ausreichender Menge eine gesundheitsfördernde Wirkung auf den Wirt mit sich bringen“. Im Gegensatz zu den Nahrungsergänzungsmitteln werden diese Bestandteile nicht angereichert, sondern gezielt ergänzt.

Ein Probiotikum kann auch ein Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln sein. Deren Rolle bei der Erhaltung der Gesundheit wurde viele Jahre unterschätzt. Inzwischen wächst jedoch die Erkenntnis, welche Rolle die Gesundheit des Darms für die des gesamten Körpers spielt. Am längsten bekannt sind die Milchsäurebakterien, beispielsweise in Joghurt oder Kefir. Lebensmittel, die diese Mikroorganismen enthalten, zählen zu den probiotischen Nährstoffen. Als Probiotikum anerkannt werden dabei nur natürliche, nicht pathogen wirkende Bakterienstämme der Darmflora, die bei oraler Aufnahme nicht nach dem Passieren des Dünndarmabschnittes verändert werden, im Darm erhalten bleiben und sich vermehren können. Hefepilze, beispielsweise bekannt aus der Herstellung von Wein, Bier oder Backwaren, zählen trotz probiotischer Eigenschaften nicht im engeren Sinne als Probiotika[2].

PROBIOTIKA UND DIE DARMFLORA

Ein Grund für die jahrzehntelange Ignoranz gegenüber dem Darm und den probiotischen Bakterien stellt zweifelsohne ein über Generationen weiter gereichtes Vorurteil dar: Darüber spricht man einfach nicht! Niemand ahnte, dass Darmbakterien nützlich sind und welche außerordentliche Bedeutung der Darm über die als Ausscheidungsorgan hinausgehende hat. Als erwünschte Bewohner des Darms hemmen die probiotischen Bakterien die Ausbreitung schädlicher Bakterien und halten die Darmflora im Gleichgewicht. Der Darm ist nicht nur dank seiner Länge von sieben bis neun Metern und der Oberfläche von etwa 300 Quadratmetern das größte Organ, hier ist der größte Anteil des Immunsystems des Menschen lokalisiert.

Während des Verdauungsprozesses werden die vorverdauten Nahrungsbestandteile im Dünndarm in ihre Bestandteile aufgespalten und wichtige Nährstoffe über die Darmwand aufgenommen, um sie dem Stoffwechsel wieder zur Verfügung zu stellen. Im Dickdarm wird dem Nahrungsbrei Wasser entzogen und auf diese Weise eingedickt. In diesem Darmabschnitt befindet sich der Hauptteil der nützlichen Bakterien, die die natürliche Darmflora bilden. Die prominentesten Vertreter sind Escherichia coli und Enterokokken.

Schätzungsweise 100 Billionen Mikroorganismen, die etwa 1000 Arten zugeordnet werden, sind natürliche Mitbewohner im Darm und haben eine große Bedeutung für die Gesundheit. Sie sind in die Verdauungsvorgänge involviert und sorgen für eine ausgeglichene Darmflora, die ihrerseits für die Produktion des Vitamin K, einem wichtigen Bestandteil der Blutgerinnung, und eine starke Immunabwehr verantwortlich ist. Falsche Kost oder Medikamente können die Darmbarriere stärker durchlässig werden lassen. In der Medizin wird dies als „undichter oder durchlässiger Darm“ oder „Leaky Gut Syndrom“ bezeichnet. Die Barrierefunktion des Darmes ist außer Kraft gesetzt und Stoffwechselprodukte, Gifte sowie schädliche Bakterien gelangen in den Körper. In der Folge kommt es zu verschiedenen Beschwerden wie Durchfall, Blähungen, Bauchschmerzen, vielfältige Formen von Unverträglichkeiten und Autoimmunreaktionen, wie in einer Arbeit von A. Fasano beschrieben wurde[3]. Die „guten“ Bakterien im Darm können in diesen Fällen dafür sorgen, dass die Darmschicht wieder abgedichtet wird und Immunzellen die Giftstoffe neutralisieren. Zusammenfassend lassen sich die Effekte eines Probiotikums wie folgt beschreiben:

  • Sie regulieren die Durchlässigkeit im Dickdarm,
  • Beeinflussen die Immunabwehr[4],
  • Hemmen Eiweißstoffe, die die Entzündungsreaktionen fördern[5]
  • Senken den pH-Wert durch die Stimulation von Milchsäurebakterien, wodurch krankheitserregende Keime unterdrückt werden[6].

WAS KANN PROBIOTIKA FÜR DIE GESUNDHEIT LEISTEN?

 

Gerät die fein abgestimmte Komposition der Bakterien unserer Darmflora aus dem Gleichgewicht, reagiert der Körper empfindlich. Erste Warnsignale können Verstopfungen, Blähungen oder Durchfall sein. Minimale Änderungen über einen sehr langen Zeitraum zeigen ihre Folgen erst spät. Eine Stärkung der Darmflora kann vorbeugen. Probiotika stärken die Gesundheit, weil sie die Balance des Mikrobioms erhalten. Zahlreiche Studien weisen positive Effekte auf die Gesundheit und bei Beschwerden nach. Die üblicherweise in Joghurt und speziellen Milchprodukten enthaltenen Dosen genügen dafür in der Regel wenig. Nur mit speziellen Präparaten kann die therapeutisch wirksame Menge an Bakterien erreicht werden

Probiotika und das Immunsystem

Es gibt zahlreiche Untersuchungen, die als Beleg für die verbesserte Abwehrfunktion durch die Einnahme von Probiotika gelten können. In einem zusammenfassenden Artikel, der auch den Zusammenhang zu Gehirnleistungen darstellt, wird die Bedeutung des Mikrobioms im Darm herausgestellt[14]. Dabei spielt ein gut eingestelltes Gleichgewicht in der Darmflora eine bedeutende Rolle bei der Regulierung der Immunität und bestimmter Gehirnfunktionen.

Antioxidatives Potential von Probiotika

Viele der mit den Probiotika in Verbindung gebrachten Wirkungen werden deren anti-oxidativen Eigenschaften zugeschrieben. Der zugrunde liegende Mechanismus variiert ebenso wie die Reaktionen in Abhängigkeit von den einzelnen Bakterienstämmen[15]. Sie stellen nach Auffassung der Wissenschaftler die Basis für deren Effekte bei verschiedenen Erkrankungen dar.

Probiotika – Hilfe bei Reizdarm und anderen Störungen im Darm

Schätzungen gehen davon aus, dass etwa vier bis zehn Prozent der Deutschen mit Symptomen eines Reizdarms zu kämpfen haben: Krämpfe, Durchfall, Verstopfungen, Blähungen. Die konkreten Auslöser sind bis jetzt noch nicht identifiziert, wenngleich die Ärzte diese Erkrankung klar diagnostizieren können. Viele Studien haben bewiesen, dass Probiotika eine positive Wirkung zeigen können[16]. Die Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) hat diese Erkenntnisse 2011 bei der Formulierung ihrer Leitlinien zur Behandlung berücksichtigt. In einer umfassenden Publikation konnte unter Berücksichtigung der Patientendaten von 1794 Fällen aus vier Studien gezeigt werden, dass die Schmerzen und die Symptome besonders in schweren Fällen eines Reizdarms (englisch: irritable bowel syndrome) durch Probiotika reduziert werden konnten[17]. Ein weiterer Artikel erweiterte die Anwendung auf Darmbeschwerden, die nicht dem Reizdarm zugeordnet werden[18].

Probiotika bei Hauterkrankungen, Allergien und Asthma

Mit der Stärkung des Immunsystems wird der Mensch weniger anfällig für Erkrankungen, die mit Allergien im Zusammenhang stehen. Allergisch bedingte Hauterkrankung treten seltener auf, wenn Schwangere aus Familien mit gehäuften Hauterkrankungen in den letzten sechs Schwangerschaftswochen ein Probiotikum zu sich nahmen. Unterstützt wurde das Ergebnis durch das kontrollierte Verabreichen innerhalb der ersten Lebenswochen[19]. Dieser positive Effekt basiert auf der Aufnahme über die Muttermilch. Mit einer gesunden Darmflora kann auch Asthma vorgebeugt und die damit verbundenen Beschwerden gelindert werden[20].

Probiotika in der Krebsprophylaxe

Positive Effekte in der Krebsvorsorge betreffen vor allem den Verdauungstrakt. Studien zu den Wechselwirkungen zwischen dem Darm-Mikrobiom und den Krebserkrankungen in diesem Bereich legen die Möglichkeit nahe, dass die Therapie unter Einbeziehung von geeigneten Probiotika verbessert werden kann[23]. Im Jahr 2012 wurde ein Artikel veröffentlicht, der die Möglichkeit beschreibt, mit Probiotika der Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs entgegenzuwirken[24]. In einer neueren Studie wird die Möglichkeit diskutiert, dem primären Leberkrebs als Komplikation chronischer Lebererkrankungen durch die Anwendung von Probiotika vorzubeugen[25].

Warum sind Probiotika bei Antibiotika Einnahme wichtig?

Antibiotika stellen die stärkste Waffe gegen bakterielle Krankheitserreger dar und hemmen die Ausbreitung von Mikroorganismen. Sie arbeiten nicht besonders selektiv, deshalb hemmen sie auch das Wachstum der guten Darmbakterien. Damit verliert der Darm seine Abwehrfunktion und Erreger wie Darmpilze können sich ausbreiten. Eine Störung der Darmflora wird als Dysbiose bezeichnet und sollte rasch behandelt werden. Eine Analyse im Labor kann die Situation darstellen. Anhand des Keimspektrums kann hier gezielt geschaut werden ob die Notwendigkeit einer Darmsanierung gegeben ist. Dann wird der Darm zunächst gereinigt und anschließend die Darmflora durch Probiotika wieder aufgebaut.

Das Darm Mikrobiom ist sensibel und kann bereits bei geringen Mengen eines Antibiotikums aus dem Gleichgewicht geraten. In der heutigen Zeit können bedauerlicherweise auch die Nahrungsmittel wie Fleischprodukte Quellen geringer Mengen Antibiotika sein. Die vorsorgliche Einnahme von Probiotika kann einer Zerstörung der Darmbakterien entgegenwirken.

Probiotika bei systemischen Entzündungen

In Tierexperimenten konnte der Mechanismus identifiziert werden, der hinter der anti-entzündlichen Reaktion steckt. Auf diese Weise sorgen Probiotika für eine mildere Entzündungsantwort. Wissenschaftler haben das Enzym nachgewiesen, das, von den Bakterien produziert, gezielt die Entzündung begleitenden Botenstoffe abbaut[21]. Davon profitieren nicht nur Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen sondern auch jene mit Gelenkentzündungen wie bei Rheuma[22].

Probiotika und Mundgesundheit

In klinischen Studien konnte gezeigt werden, dass der Lactobacillus reuteri die Zahl eine Karies verursachenden Bakteriums verringert. Außerdem konnte eine bakteriell verursache Entzündung des Zahnfleisches (Gingivitis) gelindert werden[26]

WAS SIND PRÄBIOTIKA?

Während Probiotika schön länger in der wissenschaftlichen Literatur auftauchen, ist das Konzept der Präbiotika deutlich jünger. Beide Begriffe sollten nicht verwechselt werden. Ein Probiotikum umfasst die Bakterien im Darm, während Präbiotika für ihre optimale Vermehrung sorgen. Präbiotika wirken quasi synergistisch, also als „Mitspieler“ und damit wirkverstärkend.

Die Kombination Pro- und Präbiotika werden deshalb als Synbiotikum bezeichnet. Präbiotika sind unverdauliche Kohlenhydrate oder lösliche Naturfasern, die dafür sorgen, dass sich die probiotischen Bakterien im Darm wohlfühlen. Sie werden nicht während der Darmpassage im Menschen abgebaut, jedoch von den nützlichen Darmbewohnern als Nahrung genutzt. Auf diese Weise wird deren Wachstum angekurbelt[7],[8]. Gleichzeitig hemmen diese Präbiotika das Wachstum von pathogenen Keimen (Krankheitserregern)[9] und verbessern durch eine pH Verschiebung die Löslichkeit von Kalzium, dass so besser durch die Dickdarmschleimhaut aufgenommen wird.

Die kurzkettigen Kohlenhydrate, die sogenannten Oligosaccharide, bestehen aus bis zu 100 Zuckerbausteinen, zu denen neben Glukose auch Fruktose oder Galaktose gehören können. Ein typischer Vertreter ist Inulin. In der Natur ist dieser etwas süßlich schmeckende Stoff in der Wurzel von Chicorée, Artischocken, Topinambur, Spargel und Schwarzwurzeln zu finden. In der Lebensmittelherstellung werden Eigenschaften wie die hohe Quellwirkung und der süße, cremige Geschmack genutzt. Es wird verschiedenen Soßen (als Verdickungsmittel), Brotaufstrichen, Milchprodukten, Müslimischungen und Backwaren zugefügt. Ein anderes Oligosaccharid, das Galakto-Oligosaccharid (GOS) ist, wie es der Name ahnen lässt, aus einer Kette von Galaktose Molekülen aufgebaut. Muttermilch enthält dieses Präbiotikum[10]. In Deutschland wird GOS für Produkte der Säuglings- und Folgenahrung eingesetzt.

PROBIOTIKA UND PRÄBIOTIKA ERGÄNZEN SICH ZUM SYNBIOTIKUM

 

Werden Probiotika und Präbiotika kombiniert, erhält man Synbiotika. In synbiotischen Präparaten befinden sich probiotische Mikroorganismen, die für eine ausgeglichene Darmflora sorgen und gleichzeitig die Energie- und Nährstoffe, die für ihren Erhalt und ihre Wirkung essenziell sind. Mit der gleichzeitigen Aufnahme von wirksamen Bakterien und der optimalen Nährstoffe für sie werden ideale Bedingungen für einen synergistischen Effekt geschaffen.

Die Komponenten sind so ausgelegt, dass unerwünscht Darmbewohner die Präbiotika nicht nutzen können. Inulin ist ein Präbiotikum, das als bevorzugtes Substrat probiotischer Bakterien fungiert und deshalb zusammen mit den entsprechenden Probiotika häufig als Synbiotikum angeboten wird. Im Handel sind verschiedene Kombinationen erhältlich. Dabei sind die einzelnen Bestandteile genau abgestimmt, da die Bakterienstämme unterschiedliche Präbiotika bevorzugen. Auf diese Weise lässt sich der optimale Effekt, im Kampf gegen krankheiterregende Bakterien, erzielen. Inzwischen ist das Konzept des Synbiotikum Gegenstand intensiver Forschung, da es Hinweise gibt, dass sich die Wirkungen von Prä–, Pro– und Synbiotikum unterscheiden[11]. Dies könnte für eine gezielte Anwendung bei Beschwerden und Erkrankungen eine bedeutende Rolle spielen.

DIE BAKTERIENSTÄMME – LACTOBACILLUS, BIFIDUMBAKTERIEN, STREPTOCOCCUS

Auf der Suche nach den als Probiotikum geeigneten Mikroorganismen wurden verschiedene Bakterienstämme und deren Wirkung auf die Gesundheit getestet. Dabei zeigte sich, dass sich die gesundheitlichen Effekte bei den verschiedenen Bakterienstämmen unterscheiden können. Daraus folgt, dass die einzelnen probiotischen Bakterien individuelle physiologische Effekte auf den Körper haben können, die nicht automatisch auf die eines anderen Stammes übertragbar sind. Diese Besonderheit wird als Stammesspezifität bezeichnet. Die in den wissenschaftlichen Studien verwendeten Mikroorganismen gehören zur Gattung der Milchsäurebakterien (Lactobacillus), der Bifidobakterien und Escherichia coli. Die am häufigsten verwendeten Mikroorganismen sind Milchsäurebakterien. Hinter diesem Oberbegriff verbergen sich mehr als 100 Arten, die oft in ihrem Namen den ersten Beschreiber enthalten und Kennungen zur Bezeichnung weiterer Unterarten. Jede Modifizierung mit anschließender Charakterisierung eines vorhandenen Stammes bedeutet eine neue Spezies und führt zu einer Namenserweiterung[12]. Auf diese Weise verlängert sich die Liste parallel zur wachsenden Zahl wissenschaftlicher Studien.

Im Jahr 2007 hat der europäische Industrieverband der Hersteller von Gesundheitsprodukten (European Federation of Associations of Health Product Manufacturers; EHPM) eine Liste von Bakterienstämmen veröffentlicht, die als Probiotikum geeignet sind und die gesundheitlichen Voraussetzungen erfüllen. Von diesen sind in Deutschland beispielsweise erhältlich:

Lactobacillus

Bifidobakterien

Steptococcus

E. coli

acidophilus /johnsonii

bifidum

thermophilus

Nissle 1917

reuteri

longum

 

 

bulgaricus

infantis

 

 

rhamnosus

breve

 

 

Shirota

 

 

 

Gasseri

 

 

 

salivariu

 

 

 

 

Laktobazillen

Den Laktobazillen kommt eine besondere Bedeutung in der Entwicklung des Säuglings zu, da sie mit der Muttermilch aufgenommen werden, die Verdauung kontrollieren und potenzielle Krankheitserreger fernhalten.

Als Milchsäurebildner erzeugen sie ein saures Milieu, das Pathogene zerstört. Im erwachsenen Verdauungstrakt sind sie ebenfalls anzutreffen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde erstmals ein Vertreter als biologischer Wirkstoff vorgestellt. Es handelte sich dabei um den Lactobacillus delbrückii subspecies (abgekürzt ssp.; Unterart) bulgaricus. Die Bezeichnung enthält neben dem Namen M. Delbrück zu Ehren des deutschen Mikrobiologen die Herkunft der Bakterien aus bulgarischem Joghurt.

 

Bifidobakterien

Bifidobakterien weisen viele Gemeinsamkeiten mit den Laktobazillen auf. So zählen sie ebenfalls zu den Erstbesiedlern des Darmtraktes und werden mit der Muttermilch übertragen. Sie machen etwa 90 Prozent der Darmflora beim gestillten Säugling, aber nur noch 25 Prozent beim Erwachsenen aus. Es dauerte einige Zeit, bis Wissenschaftler nachweisen konnten, dass sich beide Bakterienarten deutlich unterscheiden. Beide bilden Milchsäure, jedoch über unterschiedliche Reaktionen[13]. Eine weitere Besonderheit der Bifidobakterien stellt ihre Wirtsspezifität dar. Während zum Beispiel einige Arten in Geschlechts- und Harnorganen der Säuretiere vorkommen, besiedeln andere das Verdauungssystem von Insekten. Für das Bifidobacterium dentium wird ein Zusammenhang mit der Karies-Entstehung diskutiert.

 

Escherichia coli – E. coli

Escherichia Bakterien gehören zu den Enterobakterien, die ihren Namen haben, weil sie typische Darmbewohner (griechisch: enteron, Darm) sind. Die Bezeichnung Escherichia coli erhielten sie nach ihrem Entdecker, dem Bakteriologen T. Escherich. Bedeutend wurden diese Bakterien jedoch erst, als es dem Mikrobiologen A. Nissle im Jahre 1917 gelang, einen Stamm zu präparieren, der krankheitserregende Keime ausschalten kann: den Escherichia coli Stamm Nissle 1917. Dieser ist inzwischen weltweit bestens charakterisiert und wird als Probiotikum verwendet.

 

Streptococcus

Streptococcus thermophilus wird zusammen mit dem Lactobacillus in der Startphase bei der Joghurt Herstellung eingesetzt. Streptococcus ist eine Bakteriengattung, die die Bakterienflora im Mund, Darm und auf der Haut repräsentieren. Andere sind Krankheitserreger. Der Streptococcus thermophilus ist sehr gut beschrieben und besitzt keine gesundheitsgefährdenden Eigenschaften.

WORAN ERKENNT MAN GUTE PROBIOTIKA?

Probiotika dürfen nur ausreichend charakterisiert als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben werden. Sie stellen Konzentrate in Reinform dar. Die Wirkung der enthaltenen Mikroorganismen muss durch wissenschaftliche Studien gesichert sein. Für die Herstellung existieren strenge Sicherheitsauflagen. Für optimale Effekte müssen die Kulturen in einer definierten Menge vorliegen. Diese Menge sollte eine optimale Wirkmenge garantieren unter Berücksichtigung der empfohlenen Dosierung und der Haltbarkeitsdauer.

Die Quantifizierung von Bakterien kann druch die sogenannten koloniebildende Einheit (KBE, englisch: colony forming unit, CFU) abgeleitet werden. Sie wird in einer Bakterienkultur außerhalb von Lebewesen ermittelt. Die probiotischen Kulturen müssen die Magen-Darm-Passage, das heißt den magensauren Teil und den Dünndarm mit den Gallensalzen überstehen.

Wichtig ist darüber hinaus die genaue Deklaration des Probiotika-Stammes in den Präparaten. Selbst, wenn sich die zugrunde liegenden Mechanismen ähneln, können individuelle Eigenschaften einer spezifischen Art oder Gattung Unterschiede in den Effekten bewirken. Die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien beziehen sich stets auf einen definierten Bakterienstamm und sind nicht ohne weiteres auf andere übertragbar. Die enthaltenen Stämme in einem Präparat müssen deshalb genau spezifiziert sein. Wichtige Kriterien für die Qualität eines Probiotikum sind:

  • genaue Bezeichnung des Bakterienstammes (Gattung, Stamm, Art) und der gesundheitlichen Wirkung
  • Unempfindlichkeit gegenüber Magensäure, Gallensäuren und Pankreassaft
  • Stabilität für eine deklarierte Lagerung (Zeitraum und Bedingungen)
  • definierter Gehalt als Mindestzahl an lebensfähigen Mikroorganismen
  • empfohlene Einnahmemenge, effektive Dosis
  • Herkunft der Bakterien
  • Herstellung des Präparates
  • Ergänzung von Probiotika und Präbiotika

Ein Probiotisches Pulver Beispielsweise mit 10 oder mehr milchsäurebildenden Bakterien der Gattungen: Bifidobacterium breve, Bifidobacterium infantis, Bifidobacterium lactis, Bifidobacterium longum, Lactobacillus acidophilus,
Lactobacillus bulgaricus, Lactobacillus casei, Lactobacillus crispatus, Lactobacillus fermentum, Lactobacillus paracasei, Lactobacillus plantarum, Lactobacillus reuteri, Lactobacillus rhamnosus, Lactobacillus salivarius, Streptococcus thermophilus) und Inulin stellt ein Synbiotikum mit einem weiten Anwendungsspektrum dar. Die Behandlung von Verstopfungen, von wiederkehrenden Infekten, Störungen der Vaginalflora und die Darmsanierung nach einer Antibiotika-Therapie gehören dazu. Das Probiotikum sollte auf alle Fälle lebensfähige Bakterien im Milliardenbereich aufweisen.

WIE SOLLTEN PROBIOTIKA DOSIERT WERDEN?

 

Um von den positiven Effekten profitieren zu können, ist eine tägliche Einnahme über einen längeren Zeitraum von mindestens acht Wochen notwendig. Darüber hinaus muss die vom Hersteller angegebene Keimzahl berücksichtigt werden. Einhundert Millionen bis zu zehn Milliarden Bakterien täglich sollten zum Einsatz kommen, damit sich eine probiotische Wirkung auf die Darmflora entfalten kann. Diese Menge entspricht den Empfehlungen des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV200).

Menschen mit empfindlichem Darm orientieren sich eher an den niedrigeren Werten und sollten die Dosis erst steigern, wenn keine Nebenwirkungen wie Blähungen oder Durchfall auftreten. Auf dem Beipackzettel sind die Bakterienzahlen pro Gramm und meist auch die Menge Pulver in Gramm angegeben, die der optimalen Anzahl Bakterien entspricht. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Angaben zur Anzahl der Keime nur bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum und bei richtiger Lagerung garantiert sind. Ein Probiotikum reagiert bei nicht optimalen Bedingungen mit einem raschen Abfall der lebensfähigen Bakterien.

PROBIOTIKA – 15 HOCHPOTENTE BAKTERIENSTÄMME MIT PRÄBIOTIKA

Probiotika von naturalie vereint 15 verschiedene Bakterienstämme, darunter Lactobacillus, Bifidobakterium und Streptokokkus plus die Präbiotika Inulin und Reisstärke.

Hier ein kurzer Überblick über die Vorteile unseres Probiotikums:

  • Kombination aus Probiotika und Präbiotika = Synbiotikum
  • hergestellt in Deutschland unter HACCP-Richlinien
  • Bakterienstämme werden ausschließlich in Deutschland produziert
  • hochdosiert über 4 Milliarden Bakterien pro Tagesdosis
  • sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis
  • 100g Dose für ca. 6 Wochen Darmkur

Quellenverzeichnis:

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[3]Fasano, A. Terez Shea-Donohue. Mechanisms of disease: the role of intestinal barrier function in the pathogenesis of gastrointestinal autoimmune diseases. Nature clinical practice Gastroenterology & hepatology 2.9 (2005): 416-422. Nature clinical practice Gastroenterology & hepatology 2.9 (2005): 416-422

[4] Schiffrin EJ, Rochat F, Link-Amster H, Aeschlimann JM, Donnet-Hughes A. Immunomodulation of human blood cells following the ingestion of lactic acid bacteria. J Dairy Sci 1995; 78: 491–7

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[11] https://www.ernaehrungs-umschau.de/fileadmin/Ernaehrungs-Umschau/pdfs/pdf_2010/08_10/EU08_2010_452_453.qxd.pdf

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[16] https://www.apotheken-umschau.de/Reizdarm/Wie-Probiotika-gegen-Reizdarm-helfen-524697.html

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